Vorab ist vielleicht zu erwähnen, dass ich nicht zu den 99,99 Prozent der Skyrimspieler gehöre, die dieses Spiel an seinem Vorgänger Oblivion messen. Oblivion fand ich persönlich nämlich nicht gut. Mein Open-World-Rollenspiel 4 Life war und ist Fallout3. Das ist zwar auch von Bethesda aber halt noch etwas aktueller als Oblivion. Somit ist es für mich auch fast logisch viele Eigenschaften von Skyrim Mit Fallout3 zu vergleichen. So viel vorweg. Kommen wir nun zur eigentlichen Rezension. Schönen Gruß an den Knigge aber ich fang mit dem Negativen an! Warum? …weil ich wirklich ein wenig enttäuscht bin.

1. Skyrim ein “Openworld” Spiel
“Openworld” setze ich bewusst in Anführungsstriche DENN… Wer Lust hat an jeder Ecke sein Leben zu lassen, kann ja gerne mal sofort nach der Einführung durch die Welt zu ziehen. Ganz schlechte Idee und mega frustrierend. Du bist also indirekt schon irgendwie gezwungen erst einmal ‘ne ganze Weile der Hauptstory zu folgen, weil nur so all deine Fähigkeiten überhaupt erst freigeschaltet werden. Ich versuche nebenbei immer mal ab und zu in irgend’ne Höhle, … zu gehen, hatte aber jetzt schon das ein oder andere mal die Situation, dass ich einfach wieder umdrehen musste weil mich die Monster da drin so rund machten, dass ich da nicht weiter kam. … frustrierend. Du kannst zu Beginn halt auch einfach noch nicht alles! Das sagt dir aber keiner! Ich kam halt irgendwann an den Punkt, dass ich mir dachte: “Okay, das kann jetzt nicht deren Ernst sein, ich folge jetzt doch erst mal der Hauptstory und schau mal” …und richtig… langsam bin ich auf Charakterlevel 9, bekomme zwar immernoch regelmäßig den Hintern versohlt, aber das liegt wohl auch am misslungenen Kampfsystem.
2. Das Kampfsystem
Das Kampfsystem frustriert. In Skyrim hast du die linke Hand zum Zaubern und Blocken und die rechte Hand zum Schlagen und um deine Drachenblutmegazauberschreie loszulassen. Die herkömmlichen Waffen beschränken sich (leider) bis auf den Bogen auf Nahkampfwaffen. …gut, dafür hat man ja linker Hand seine Zauber, welche auch auf die Distanz wirken! AAAABER… Wo zum Teufel ist mein aus Fallout3 so heiß Geliebter V.A.T.S. – Modus? Ich weiß, dass der für Skyrim weder angedacht noch angekündigt war…na und. Trotzdem scheiße! Und ich sag euch auch warum. Mir ist zwar schon klar das der V.A.T.S.-Modus und Nahkampfwaffen nicht so gut zusammenpassen, aber vielleicht hätte man ja was anderes
einführen können. Zum Beispiel ein Verlangsamen der Zeit in Kampfsituationen oder einen V.A.T.S. der sich erst aktiviert wenn der Gegner in Reichweite der Hieb/Stichwaffe ist. Im Moment renne ich während der Kampfsituation nämlich wie ein Besemmelter im Kreis, seh den Gegner immer nur kurz durchs Bild huschen, hau wie blöde mit dem Schwert in der Luft rum, in der Hoffnung den Gegner zu erwischen. Wenn ich Glück habe, hab ich den Gegner am Ende tot gefuchtelt. Meistens aber eher nicht. Selbst wenn der Gegner vor dir stehen bleibt und du auf ihn einstrampelst hast du nie das Gefühl ihn erwischt zu haben. Es fühlt sich immer so an als würdest du gegen einen Geist kämpfen und durch diesen hindurchhauen. Allein das laute Scheppern deiner Waffe verdeutlicht dir wenn du getroffen hast.
Der Kampfablauf ist dazu auch noch sehr schnell. Gegnerische Zauberer zum Beispiel decken mich so rasant mit allem möglichen Hokuspokus ein, heilen sich selbst, schießen Eis, blitzen mich weg, bilden ein Schutzschild um sich, funkeln und glänzen mich halb tot, während ich immer noch dabei bin mein Stahlschwert zu ziehen, nur um dann zu merken “Scheiße ich hab ja noch den Bogen als Rechthandwaffe festgelegt”. Und bis ich dann wieder zum Schwert gewechselt habe müsste ich jetzt eigentlich den Selbstheilungszauber anwenden, versuche abzuhauen und werde endgültig tot gehokuspokust… Riiiiiiesendoof!!!
Bei Kämpfen welche aus der Verfolgerperspektive geführt werden ist es noch bekloppter. Das Ganze Kampfgeschehen wirkt zwar deutlich bombastischer wegen der tollen Grafik und guten Bewegungen des Charakters aber das Zielen ist mega gewöhnungsbedürftig! Du hast während des Kampfes deinen Charakter Links am Bildschirmrand, das Zielkreuz aber in der Mitte! Wenn nun ein wie gesagt rasantes Kampfgeschen beginnt, erlebt man es ständig, dass man bei Angriffen am Gegner vorbei rauscht! Man schlägt also irgendwie nicht dahin wo man hin schaut. Wenn dich jemand von Hinten angreift ist eh alles vorbei denn umdrehen ist nicht so leicht möglich wie in der Egoperspektive. Irgendwie ist die Kameraführung in diesen Situationen voll ungünstig. Auf offenem Land bin ich teilweise draufgegangen, weil ich von einem Gegner beschossen wurde den ich nicht mal zu Gesicht bekommen habe. …irgendwie alles seltsam. Wie gesagt, ein V.A.T.S. ähnlicher Modus, hätte diese Schwächen wieder erfolgreich “überspielen” können. So ist es für mich auf jeden Fall DER Kritikpunkt des Spiels.
Achso, erwähnenswert wäre beim Kampfsystem auch noch die Einführung von …na, will ich’s wirklich so nennen…na gut… Finishingmoves! Völlig unvermittelt, springt die Kamera bei ca jedem 20 Kampf Links oder rechts oder irgendwo hin und man sieht ca eine Sekunde lang wie unser Held seinem Widersacher (z.B. ein Wolf) mit Wucht das Schwert in den Bauch rammt. Mal davon abgesehen, dass diese Animationen rein physikalisch so seltsam steif aussehen und regelmäßig der Körper des Helden im Körper des Gegeners verschwindet oder anders rum, holt einen diese sinnlose Animation immer voll aus dem Geschehen, ja erschreckt einen fast, weil dieses Finishmoveanimationsdingens total unvermittelt kommt, da man dafür gar keine eigenständige Taste drücken muß. Die Animation springt quasi, während du auf die Schlagen-Taste hämmerst, einfach kurz ins Geschehen und während man noch halbverdutzt versucht mitzubekommen wo jetzt hinten und vorne ist, ist es auch schon wieder vorbei. Dann springt die Kamera wieder zurück und du musst dich erst einmal wieder neu orientieren. Inzwischen hat dich “Magier Flitzeblitz” schon wieder drei mal mit seinem Zauberstab zerpiekt! …überflüssig und unausgereift. …einziger Vorteil: der Gegner ist danach immer tot. Man muß also nicht weiterkämpfen. …Finishingmove halt …naja

3. Ich habe nicht genug Arme!!!
An jeder Ecke findest du besondere Waffen, Zaubertränke, Zauberstäbe, Spezialrüstungen…pipapo. An sich nicht schlimm aber…wenn mir suggeriert wird, dass dieser 20 Kilo schwere “besondere Zauberschlüpper der Verdammnis” den ich grade gefunden habe ach so besonders ist, dann nehm ich den mit! Leider kann ich nicht viel tragen und mein Begleiter ist auch schon “voll” …also voll beladen!!! Blöde Situation! Ich kann mir zwar irgendwo ein Haus für 5000 Goldstücke kaufen aber sammel mal 5000 Goldstücke!!! Somit bin ich ständig dabei irgend ein “Schwert des heilenden Urinsteins” auszusortieren und fallen zu lassen um dafür das “Schild zur goldenen Henne” mitzunehmen! (P.S. Falls sich jemand grad aufregt wie bekloppt sich denn der Hammer anstellt…keine Scheu, sagt mir was ich tun soll! Vielleicht seh ich ja den Wald vor Bäumen nicht! Nie war dieser abgegriffene Vergleich passender!!! Skyrim!…nur Wald!! Knaller!!!)
4. Genug gekotzt.
Denn mal abgesehen von Punkt 1 – 3 und der Tatsache das ich mich manchmal überfordert fühle von den ganzen Rassen, Gruppierungen und deren Abhängigkeiten… (leider haben viele Charaktere auch noch die selbe Stimme, was das Unterscheiden der Charaktere zusätzlich erschwert) …macht Skyrim alles richtig. Größter Pluspunkt ist hierbei vor allem die unglaublich fantastische, atemberaubende, filmreife, bombastische und liebevoll (…und mittlerweile fast schon zu oft gelobte) wundervoll aussehende Spielwelt. Die ist so geil, dass ich schon fast das Gefühl bekommen habe, dass die Macher von Skyrim sich gesagt haben “Wir ham so ‘ne geile Spielwelt und so fantastische Geschichten in unserem Spiel, dass wir dem Endkonsumenten ruhig noch mal so’n schrottreifes Kampfsystem anbieten können.” …sorry ich wollt ja nicht mehr meckern.
Mist jetzt fällt mir aber noch ein Kritikpunkt ein… Das manuelle Charakteraufleveln ist aus meiner Sicht nicht so gut gelungen wie bei Fallout3! Da war’s einfach, aber dennoch umfangreich und du hast es finde ich sofort gemerkt wenn du was verbessert hast. Bei Skyrim bin ich immer unsicher ob ich das jetzt richtig mache, weil es einfach so viele Möglichkeiten gibt… Und wie das jetzt letztendlich wirklich vonstatten geht habe ich auch noch nicht ganz verstanden… glaub ich. Ich drück immer irgendwas, wo ich mir denke, dass ich das eventuell gebrauchen könnte. Irgend’n Aufleveln was 20 Prozent Feuermagieschaden verringert ist mir zu schwammig. Ich brauche immer was handfestes, wo ich mir auch was drunter vorstellen kann z.B. Dietrichfähigkeit! Da weiß man, dass man damit weniger Dietriche verbraucht beim Schlösser knacken und gut ist. Schlösser gibt’s an jeder Ecke, also nehm ich das. Irgend ‘nen Zauberer der Feuer schießt, bekomm ich auch so umgekloppt, da brauch ich keine Resistenz. Erst recht nicht von 20 Prozent. Kurz gesagt, das Aufleveln funktioniert über riesige Sternbilder und ist nicht so übersichtlich. Vielleicht werd ich damit aber noch warm.
Die Idee, dass Drachen eine so tragende Rolle spielen gefällt mir sehr gut und ist ein erfrischender neuer Ansatz. Mich hat übrigens noch nie einer dieser Drachen getötet. Vielleicht auch weil ich immer einen Begleiter bei mir habe.
Fazit: Auch wenn ich 80 Prozent meines Reviews gemeckert habe ist Skyrim trotzdem das Beste was sich ein Rollenspieler und Open World Freund im Moment wünschen kann. Neben Fallout 4 natürlich …ja ist ja gut…ich hör ja auf. Da man mich aber trotz Drachen und wunderschöner Welt mit einem Mittelaltersetting nicht so sehr begeistern kann, wie mit einem Endzeitszenario (Fallout 3) bleibt Skyrim auch aufgrund des Kampfsystems für mich in meiner ewigen Spielerangliste hinter Fallout 3. Ich habe Skyrim gekauft, in den letzten zwei Wochen unzählige Male verflucht, aber spielen tu ich es trotzdem noch. …also irgendwie schafft es Bethesda mich doch wieder in den Bann eines ihrer Spiele zu ziehen und genau das ist auch die Stärke von Skyrim. Dieses Spiel schafft es, wenn der Spieler es zulässt und bereit ist sich von eklatanten Fehlern außerhalb der Storylines nicht beirren zu lassen, ihn in eine fremde Welt zu entführen. Also, wer es noch nicht hat… ruhig erst mal ausleihen, probezocken und dann kaufen.
Gruß Hammer… ick geh weiterzocken! Na denn… Sport frei.
// Hammer ist Rapper und Teil der Musikgruppe Hammer und Zirkel. Wenn er nicht gerade Musik macht oder Kinder betreut, packt er auch mal seine Playstation 3 aus und zockt.
